Freitag, 2. Oktober 2009

Patagonien, Peninsula Valdez, Puerto Madryn



Meine erste Reise hier in Südamerika führte mich und Lena vergangenes Wochenende ans Meer nach Patagonien und hat die Meßlatte für weitere Ausflüge ganz schön hoch gesteckt!!
Los ging´s am Freitag morgen mit einer 20-stündigen Busfahrt, die wir dank Luxus-Sesseln (wie die Business-Class im Fliger nur billiger), toller Filme, guter Laune und gaaaanz viel Proviant schon fast genossen haben. Um 6 Uhr morgens kamen wir pünktlich (!!!) in Puerto Madryn an und da wir voller Tatendrang waren gings gleich morgens los zum ersten Trip. Da wir auf Grund mangelnder "animalischer" Kenntnisse die vier deutschen Begriffe "Robbe", "Seehund", "Seelöwe" und "Seeelephant" nicht wirklich den zwei spanischen Begriffen "lobo marino" und "elephante marino" zuornden konnten, wussten wir anfangs nicht so genau was uns erwartet*g*, aber wie sich zu unserer Freude rausstellte hatten wir die unglaubliche Chance mit Robben zu schnorcheln und danach noch eine kleinen Gratistauchgang zu machen. Anfangs hatte ich noch so meine Zweifel, dass das was wird, da der Jeep, der uns zum Meer bringen sollte weder Dach noch Türen hatte und alles in allem eine einzige Schrottkarre war. Erstaunlicher weise kamen wir aber heil an und dank Ganzkörperkondom (Neoprenanzug) überlebten wir auch die 5°C Außentemperatur, dank Fahrtwind und Meeresluft gefühlte -20°...
Mit einem kleinen Motorboot, das zum Glück nicht mit dem Jeep um den Platz des am beängstigendsten Fortbewegungsmittel konkurrierte, fuhren wir Richtung Robben und ehe wir uns versahen waren wir schon von einigen dieser unglaublich flinken und agilen Tierchen umringt und sie hatten sichtlich Spaß daran, sich mir über den Rücken zu werfen und ein kleines Wasserballett für uns aufzuführen. Am liebsten hätte ich natürlich eine mit nach Hause genommen und leider gingen die 40 min. mit den Robben auch viel zu schnell um, aber das war bis dato wirklich das beeindruckendste Naturerlebnis, das ich je hatte!! Da wusste ich allerdings noch nicht, was mich sonst noch so erwartet...
Direkt im Anschluss bekamen wir noch die Chance auf einen echten Tauchgang in voller Montur und nach kurzer (!!!) Einführung nach typisch südamerikanischer Art - sprich 2-minütige Anweisung und los geht´s - wurde Lena auch schon die Ausrüstung angelegt und es blieben nur noch ein paar Luftblasen an der Meeresoberfläche. Nach ca. 15 Minuten, in denen ich die zwei mit mir an Bord verbliebenen Jungs über meinen nicht vorhandenen "novio" (Freund) aufklären musste, war ich an der Reihe. Doch nicht nur meine Ohren, sondern auch meine leicht klaustrophobischen Anwandlungen ließen den Tauchgang etwas kürzer ausfallen. Aber ich freute mich dennoch über meinen Mut und eine weitere neue spannende Erfahrung an diesem Tag.
Nachdem wir uns durch heiße Dusche, Mittagessen und leckeren Mate-Tee mit meiner neuen platonischen Liebe Gaston - der unheimliche charmante, aber höchstwahrscheinlich Schwule und schon etwas ältere Hostelbesitzer - regeneriert hatten ging es schon los zum nächsten Highlight. Wir fuhren zum etwa 60 Jeep-Minuten (diesmal mit Fenster und Türen*g*) entfernten Küstengebiet Punta Ninfas, wo am Tag zuvor ein toter Wal gestrandet ist und sich zahlreiche Seeelephanten mit ihren Babies tummelten. Schon von oben sah und hörte man die unzähligen Möwen, die sich über die leckere Walmahlzeit erfreuten und auch die Seeelephanten, die sich in relativ gleichen Abständen über den gesamten schmalen Strandstreifen verteilten. Nachdem Lena ihre Höhenangst bezwungen hat und ich mich dank des waghalsigen Abstiegs das erste Mal so richtig meiner neuen zweckmäßigen Schuhe (Mama´s Überredungskünsten sei Dank!!) erfreuen konnte war der tote Wal und auch die riesigen unförmigen grauen Kolosse nur noch einige Meter von uns entfernt. Entgegen meiner Vorstellung störten sich die Seeelephanten überhaupt nicht an uns und so saßen wir eine gute Stunde am Strand und genossen den Anblick der blökenden Seeelephanten mit ihren ganz frisch geborenen Babies und ich kam mir vor, als hätte ich einen Tarnumhang an, da die Natur um mich herum so unecht unberührt und schön aussah...
Am zweiten Tag machten wir einen Ganztagesausflug auf die Halbinsel "Valdez"; unser erster Stop diente einem "Whale-watching"-Ausflug und dank den ernüchternden Erfahrungen meiner lieben Tante rechnetet ich nicht wirklich damit welche zu sehen. Doch wie sich herausstellte, ist die Península Valdez tatsächlich ein weltweit einzigartiger Platz, um Wale zu beobachten und wir kamen in den Genuss von gleich drei neugierigen Walen MIT BABIES, die sich aus nur einem Meter Entfernung von ihren besten Seiten zeigten;-).
An einem anderen Punkt der Insel gab es erneut Seeelephanten zu bewundern, doch da wir das am Tag zuvor noch um einiges näher und eindrucksvoller erleben durften wunderten wir uns eher über unsere Ausflugsleiterin....von uns auch liebevoll "der Gnom" genannt, denn es war uns unbegreiflich, wie ein höchstens 1,58m großer Mensch und noch dazu eine halbe Portion Frau so unglaublich anstrengend und nervend sein kann; in ihrer Gegenwart kam ich mir wieder vor wie 13, denn jegliche Treffpunkte und Uhrzeiten wurden einem durch unzählige Wiederholungen geradezu hinter die Ohren "gebrandmarkt" und relativ bald begriffen wir, dass wir bei Berühren unseres Sitzplatzes im Jeep wohl besser sofort unsere Augen schließen sollten, um ihr zumindest nicht mehr als erste Ansprechpartner zu dienen*g*.
Der dritte Inselstop war inmitten einer Pinguinkolonie, die wiederum zum Greifen nahe waren uns sehr zufrieden wirkten, wie sie sich in ihre in die Erde gegrabenen Kuhlen schmiegten oder vergnügt den Hang zum Strand hinabwatschelten. Diese Pinguinkolonie war jedoch nur ein KLEINER Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Tag erwartete.
Wir fuhren - zu unserem Entsetzen mit der gleichen Reiseleiterin!! - zur "Punta Tombo", einem südlich der Halbinsel liegenden riesigen Küstengebiet, das Heimat tausender Pinguine ist. Dank extra für die Touristen angefertigter schmaler Wege läuft man mitten durch die Pinguinkolonie und man kann neben Guanakos Pinguine in allen erdenklichen Lebenslagen beobachten. Wenn man Pech hat, hat es einer der Pinguine auf etwas modische Nestausstattung abgesehen und so wurde die Jeans unseres holländischen Begleiters Sander doch glatt mal auf Reißfestigkeit getestet;-). Gegen Abend kamen wir zurück zum Hostel und nachdem wir uns noch mit ausreichend Proviant eingedeckt hatten brachte und der liebe Gaston sogar persönlich zum Busbahnhof, wo wir die 20-stündige Heimreise antraten.

1 Kommentar:

  1. Na, schau einer an: Da tut sich über einen Monat lang nix auf dem Blog und nun gleich zwei Beiträge. Das freut den Leser! Weiter so und dicken Knutscha nach Südamerika!

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